Partei- unabhängiger Kandidat für das Amt des
hauptamtlichen Bürgermeisters der Gemeinde Panketal

Tobias Wilhelm

Geboren 1976 in Berlin-Buch

Seit 1978 wohnhaft in Zepernick

1996 Abitur an der Gesamtschule Zepernick

Anschließend Zivilersatzdienst im Krankenhaus

Gründungsmitglied der Unabhängigen Wählergruppe ZEP2000- seit 1998 Gemeindevertreter in Zepernick

Nach dem Studium der Geschichtswissenschaft, derzeit Bearbeitung der Diplomarbeit im Fach Politikwissenschaft


Interview mit Tobias Wilhelm
Kandidat der Panketaler Wählergruppe ZEP2000 für den Panketaler Bürgermeister

Herr Wilhelm, weshalb kandidieren Sie für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters in Panketal?
Mich fasziniert das breite Handlungsfeld des durch Bürgerwahl bestimmten Bürgermeisters. Ich will als Bürgermeister die großen Gestaltungschancen für unsere Gemeinde nutzen.

Mit welchem Amtsverständnis würden Sie Panketaler Bürgermeister sein?
Da der Bürgermeister Repräsentant der Bürgerschaft und Chef der Verwaltung ist, verstehe ich das Bürgermeisteramt als Vermittlerrolle zwischen Bürgern, Verwaltung und Ortsentwicklung. Ein Bürgermeister muss Verantwortungsbewusstsein haben, um das bürgerschaftliche Zusammenleben zu gestalten.

Was würde sich mit einem Bürgermeister Wilhelm besonders ändern?
Vor allem würde ich eine neue politische Kultur- eine neue Vertrauenskultur an die Stelle des noch vorhandenen Misstrauens setzen. Wir brauchen einen offenen Diskussionsprozess über die kommunalen Ziele.

Was ist mit neuer Vertrauenskultur gemeint?
Die Grundlagen der Kultur des Miteinanders und des Vertrauens müssen schon in der Verwaltung verankert sein. Die örtliche Verwaltung als wirkliche Schnittstelle zwischen Staat und Bürger, muss abseits vom politischen Rummel in Berlin und Potsdam dem Bürger neben Sachkompetenz, eben auch mit einem Verständnis dessen gegenüber treten, was die Leute wollen. Die Bürger möchten aber auch gefragt werden, nach Ihren Vorstellungen und Zielen zur Entwicklung unserer Gemeinde- z.B. beim Straßenbau, aber auch bei Vielem mehr. Das verstehe ich unter einem offenen Diskussionsprozess.

Was meinen Sie: Wie wird die Gemeinde Panketal im Jahre 2011, nach Ende Ihrer Amtsperiode aussehen?
Bis dahin bleibt viel zu tun. Angesichts der unterdurchschnittlichen Steuerkraft unserer Gemeinde wird es eine meiner Hauptbemühungen sein, Gewerbebetriebe jenseits des Handwerks hier anzusiedeln. Dies ist die Vorraussetzung dafür, um die immer noch dringend notwendigen Investitionen in die Infrastruktur unseres Ortes auch finanzieren zu können. Die Ortsentwicklung wird dann soweit gediehen sein, dass die noch vorhandenen innerörtlichen Brachen einer Nutzung zugeführt sind. Dann wird es auch Grün- und Parkanlagen geben, um den Einwohnern Raum zur Erholung zu lassen- dass zeichnet ja den „Speckgürtel“ aus- ist zur Zeit aber nicht unbedingt eine Stärke der beiden künftigen Ortsteile.

Herr Wilhelm, Sie sind mit 27 Jahren der mit Abstand jüngste Kandidat für das Amt des Bürgermeisters. Sind Sie nicht zu jung dafür?
Nein. Nach der ersten Amtsperiode wäre ich dann 35 Jahre alt. Alle anderen Bewerber würden nach den acht Jahren das 50. Lebensjahr, zum Teil das 60. weit überschritten haben. Ich bin der einzige Kandidat, der dann nicht mit Pensionsansprüchen die Gemeindekasse belasten würde.

Welche Herausforderungen sehen Sie neben der Ansiedlung von zahlungskräftigem Gewerbe?
Viele gesellschaftliche Probleme der Bundesrepublik stellen auch Herausforderungen an die kommunale Ebene dar. Auf die sich öffnende demographische Schere muss auch in Panketal nach einer Antwort gesucht werden. Die „Alten“ dürfen nicht am Rande stehen, während die Jugend an fehlenden Freizeit-beschäftigungsmöglichkeiten krankt. Im ehrenamtlichen Engagement lässt sich ein Miteinander der Generationen vernünftig gestalten. Auch die EU- Osterweiterung in der ersten Phase 2004, wird uns in Panketal vor Herausforderungen stellen- hier muss ein vernünftiges Miteinander organisiert werden. Während in Berlin und im peripheren Raum Brandenburgs, Kitas und Schulen mangels Kindern geschlossen werden müssen- profitieren wir NOCH vom Zuzug aus Berlin. Unser Schulstandort muss konkurrenzfähig bleiben- die Realschule und die Gesamtschule sollen gemeinsame Projekte aufnehmen, um das Lernen gegenseitig verbessern zu können.

Eine Frage zur Ortsentwicklung: Haben wir nicht schon genug Wohnsiedlungen?
Hier bei uns in Panketal kann man die berühmt- berüchtigte Stadt- Umlandproblematik hautnah erleben. Die Städte, hier also das Agglomerationszentrum Berlin- bluten aus, das nahe Umland wird versiegelt. Nach dem Bauboom Anfang/Mitte der 90er Jahre ist in Panketal eine Vielzahl von Eigenheimen und Wohnungen entstanden. Die finanziell schlecht ausgestatteten Städte und Gemeinden im Berliner Umland konnten sich nur durch den starken Zuzug, nicht nur aus Berlin, auch aus den Berlin- fernen Regionen Brandenburgs über Wasser halten. Sozusagen leben wir in Panketal von diesem Problem der Zersiedelung des ländlichen Raumes. Für den Zeitraum 1999 bis 2010 wird davon ausgegangen, das weitere 184.000 Personen netto in das Berliner Umland ziehen werden, sich die Nettoabwanderung allerdings ab ca. dem Jahre 2006/2007 bei 15.000 Personen pro Jahr einpendeln wird. Viele dieser „Einwanderer“ werden sich also auch in unsere Gemeinde niederlassen wollen.

Was halten Sie vom Neubau der Wohngebiete auf dem Iselberg und in der Schlüterstraße?
Die Investoren in der Schlüterstraße und auf dem Iselberg wollen jetzt bauen, da sie wahrscheinlich die zurzeit heftig umstrittene Eigenheimzulage noch nutzen wollen. Die Fläche auf dem Mühlberg befindet sich in innerörtlicher Lage und ist derzeit eine Brache. In der Schlüterstraße ist die Situation etwas anders. Hier wurde Mitte der 90er Jahre eine Wohnsiedlung an den Ortrand „geklatscht“, die in ihrer nicht gerade idyllischen Lage recht abgeschieden ist. Dieses Wohngebiet wird seit dem von einer ungenutzten Ackerbrache von der schon bestehenden Bebauung getrennt. Diese Städtebauliche Lücke wird nun mit Wohnbebauung versehen- damit entsteht eine geschlossene Ortslage. Eine weiteres Ausgreifen der Wohnbebauung halte ich aber nicht für richtig. Der Flächennutzungsplan stellt ja den Rahmen der mittel- bis langfristigen Entwicklung des Ortes dar- so darf man ihn nicht Opfer kurzfristiger Opportunitäten werden lassen.

Was qualifiziert Sie zum Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters?
Nach fünf Jahren ehrenamtlicher kommunalpolitischer Tätigkeit in Zepernick, konnte ich wichtige Einblicke in die Chancen und Problemlagen des Ortes erlangen- die natürlich denen in Schwanebeck sehr ähnlich sind. Durch das Studium der Politikwissenschaft ist es mir möglich, auch wissenschaftliche Erkenntnisse für unsere Gemeinde nutzbar zu machen.

Zwei ihrer Konkurrenten werben damit, durch ihre ehemalige Tätigkeit als Offiziere der Volkspolizei, bzw. Bundeswehr große Führungs- und Verwaltungserfahrung einbringen zu können. Wie steht es bei Ihnen?
Ich gebe zu: mir fehlt der bürokratische Stallgeruch. Jedoch braucht den ein Bürgermeister nicht. Ich verstehe den Bürgermeister ja als Repräsentant der Bürgerschaft und nicht als den, der es der Verwaltung recht macht. Ich stehe für eine bürgernahe Verwaltung ohne Stahlhelm.

Eine letzte Frage: Tragen Sie auf dem Foto schon den Panketaler Rathausschlüssel?
Oh- Nein. Das ist ein USB- Datenkabel, mit dem ich für gewöhnlich mein Diktiergerät an den Rechner anschließe. Ich hatte vergessen es vor dem Foto abzulegen.

Herr Wilhelm- vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Interview führte Eva-Maria Benning.